[Dachau] infocafe: Nach dem 8. März ist vor dem 1. Mai – Der wilde (Frauen)Streik bei Pierburg 1973

Wann
Dienstag - 02.04.2024
20:00 - 23:00

Wo
Freiraum Dachau
Brunngartenstr. 7
Dachau

Details

Diskussion & Film: Pierburg – Ihr Kampf ist unser Kampf

Sprache deutsch | 1974 | 38 min. | Trailer https://de.labournet.tv/video/6489/pierburg-ihr-kampf-ist-unser-kampf

Streiks sind aktuell in aller Munde. Konservative Kräfte und der Bundesverband der Arbeitgeberverbände (BDA) würden das Streikrecht am liebsten einschränken. Dabei fallen in der BRD de facto weit weniger Streiktage im Vergleich zu anderen europäischen Ländern an. Des weiteren handelt es sich größtenteils um kurze Warnstreiks in tariflichen Auseinandersetzungen, also in einem kontrollierten und festgelegten Rahmen.

Nun sind aber nur die Hälfte aller Betriebe tariflich angebunden. Selbstorganisierte Streiks außerhalb der Kontrolle der DGB-Gewerkschaften gelten in der BRD als illegal. Dabei sind die Bedingungen der Lohnarbeit hierzulande in etlichen Bereichen unzumutbar. Lohn knapp am Mindestlohn, das Ignorieren geltender Rechte, Ausbeutung migrantischer Arbeit und niedrigere Löhne in so begriffenen „Frauenberufen“ sind Fakt für eine erhebliche Anzahl von Beschäftigten im Hier und Jetzt.

Grund genug sich die Welle wilder Streiks des Jahres 1973 ins Gedächtnis zu rufen. Es beteiligten sich 275.000 Beschäftigte in 335 Betrieben. Der bundesdeutsche Wohlstand wurde durch Ausbeutung von „Gastarbeiter*innen“ geschaffen. Diese wurden in Italien, Jugoslawien, Griechenland, Spanien und der Türkei angeworben, mussten in kasernenartigen Wohncontainern leben und wurden für hauptsächlich schwere, entfremdende Tätigkeit am Band in der Produktion eingesetzt. Auch der Lohn lag deutlich unter dem der deutschen Arbeiter*innen. Die Streikwelle war hauptsächlich von migrantischen Arbeiter*innen getragen, ohne Gewerkschaft und überwiegend ohne die Unterstützung der deutschen Kolleg*innen. In der Presse wurden die Streiks rassistisch diffamiert („Türkenterror“).

Das mit erfolgreichste Beispiel stellt der einwöchige wilde Streik von über 2000 migrantischen Frauen beim Autozulieferer Pierburg-Gerätebau KG in Neuss im August 1973 dar. Sie traten mit der Forderung 1 Mark mehr an und erreichten die Abschaffung einer „Leichtlohngruppe“, die nur für Frauen galt. Auch solidarisierten sich bei Pierburg deutsche Arbeiter*innen mit dem selbstorganisierten Streik der migrantischen Frauen. Wie sie das geschafft haben und was sie alles gemacht haben, wollen wir uns genauer ansehen.

Der Film dokumentiert eine zu Unrecht vergessene Episode im Kampf um soziale Emanzipation und zeigt, was passiert, wenn wir uns erheben. „Arbeitswidriges Betreten des Werksgeländes, um hier Rabatz zu machen, hat revolutionären Charakter.“ (Polizeidirektor von Neuss)

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